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Nicht immer sind es die ganz großen Erfolge, manchmal auch nur Kleinigkeiten, die einen Politiker stolz machen. Ein paar Beispiele aus der aktiven Zeit von Georg Kronawitter:



Niedrigste Schuldendienstquote

Wie sparsam und rationell gewirtschaftet wird, zeigt mit einem Blick die so genannte Schuldendienstquote. Diese Kennziffer gibt an, wie hoch der Prozentsatz ist, der von den jährlichen Steuereinnahmen einer Stadt für Zinsen und Tilgung der gesamten Schuldenlast ausgegeben werden muss. Diese Ausgaben fließen den Banken zu und fallen für städtische Vorhaben aus.

München hatte am Ende meiner Amtszeit 1993 die niedrigste Schuldendienstquote der zehn größten Städte der Bundesrepublik, und das mit großem Abstand. Sie betrug elf Prozent; die Stadt Essen folgte mit 19 Prozent, dann kamen Dortmund und Köln mit jeweils 22 Prozent. Am Ende standen Frankfurt und Düsseldorf mit je 32 Prozent. Während also in München nur jede neunte Mark für Zins und Tilgung der Schuldenlast ausgegeben werden mussten, hatte zum Beispiel Frankfurt jede dritte Mark der Steuereinnahmen an die Banken abzuführen.

Das "Gasteig-Projekt"

 

Gasteig

Foto: Michael Lucan, München

Gerne verweise ich auf die Durchsetzung des Gasteig-Kultur-Projekts in meiner ersten Amtszeit. Bei meinem Amtsantritt fand ich einen Entwurf vor, der mit Vorhaben erheblich überfrachtet war und keine Chance hatte, die Zustimmung des neuen Stadtrats zu erhalten. Ich machte die Durchsetzung des Gasteig-Projekts zu meiner ersten "Chefsache". Mit Dr. Herbert Hohenemser, dem Kulturreferenten, und ein paar Fachleuten habe ich das große Kulturprojekt dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt. Rund ein Drittel weniger Baumasse und entsprechend weniger Kosten waren das Ergebnis unseres Verschlankungsprozesses. Doch die SPD-Linke wollte nur die Bücherei und die Volkshochschule, auf gar keinen Fall den längst notwendigen großen Konzertsaal für München. Dr. Dietmar Keese, der spätere Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, spitzte die Ablehnung in der Aussage zu: "Wer sich ein Konzert anhören will, soll sich ein HiFi-Gerät kaufen." Die CSU wollte dagegen auf keinen Fall Einrichtungen der Volkshochschule, am liebsten nur den Konzertsaal. Am Schluss hatte ich nach vielen Einzelgesprächen doch eine Mehrheit für das Verbundprojekt erreicht. Einstimmig wurde dann der Bau des Gasteigs von der Jury gebilligt.

Der "multikulturelle" Gasteig ist nicht zum Kulturmoloch geworden, wie Kritiker befürchtet hatten, sondern der in Deutschland wohl attraktivste örtliche Kulturbetrieb mit vielen Aktivitäten. 2400 Plätze zählt der große Konzertsaal; eine ganze Reihe von Sälen mit unterschiedlicher Größenordnung stehen für Vorträge, Filmvorführungen, Konzerte und Gesprächskreise zur Verfügung. Im Gasteig ist auch die größte Bücherei der Stadt eingerichtet. Für die Volkshochschule stehen zahlreiche Räume zur Verfügung. Täglich besuchen Tausende von Menschen, Jung und Alt, den "Kulturtempel". Räume mit Ausstellungen aller Art laden ebenso zum Verweilen ein wie ein Kaffee.

52.000 neue Arbeitsplätze in neun Jahren

Laut amtlicher Statistik gab es in München am 30.06.1984, also kurz nach meinem erneuten Amtsantritt, 636.319 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer. Am 30.06.1993, also neun Jahre später und genau an dem Tag, an dem ich als Oberbürgermeister aufhörte, waren es 688.989. Der Nettozuwachs an Arbeitsplätzen in diesen neun Jahren betrug somit 52.670. Weder in Hamburg (1.6 Millionen Einwohner) noch im hochsubventionierten Westberlin (2.3 Millionen Einwohner) konnten – bei gleicher Konjunkturlage – in derselben Zeit ähnliche Arbeitsplatzzuwächse erreicht werden.

Zehntausende von neuen Betrieben

Die amtliche Statistik weist aus, dass allein in den sieben Jahren von 1987 bis 1993 in München rund 28.000 mehr an Gewerbeanmeldungen als an Gewerbeabmeldungen zu verzeichnen waren. Sicherlich handelt es sich überwiegend um Kleinbetriebe. Aber auch hier zeigt sich, dass trotz einiger Betriebsverlagerungen ins Umland in München selbst die Zahl der Betriebe enorm gesteigert werden konnte.

Verlagerung der Messe nach Riem

 

Der Messesee

in Riem

Die Verlagerung der Messe von der Schwanthalerhöh' nach Riem war in meinem Amtsjahren nach 1984 die wichtigste und für die Stadt bedeutendste Einzelprojektentscheidung. Unter den damals gegebenen politischen Umständen betrachte ich die zeitgerechte Durchsetzung der notwendigen Beschlüsse und vorbereitenden Maßnahmen als mein Meisterstück. Der große Wahlerfolg1984 gegen Erich Kiesl und die CSU sowie meine Erfahrung als Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafen München-Riem GmbH von 1972 bis 1978 und erneut ab 1984, waren dafür wichtige Voraussetzungen. Denn sie erhöhten meine Autorität in der Partei und verliehen mir gegenüber Kritikern aus der SPD-Linken einen Kompetenzvorsprung, so dass meine Vorhaben von ihnen nicht behindert werden konnten.

Die Richtigkeit der damaligen Entscheidungen bestätigten auch der
ehemalige Präsident der Industrie- und Handelskammer, Dieter Soltmann, und sein langjähriger Hauptgeschäftsführer, Prof. Wilhelm Wimmer. Am Tag der Grundsteinlegung, am 19. Juni 1995, kamen sie nach den drei Hammerschlägen spontan auf mich zu und gratulierten mir zur politischen Durchsetzung der Messe: "Herr Altoberbürgermeister, wir wollen heute gerade Ihnen sehr herzlich danken. Sie haben die Messe politisch durchgekämpft. Ohne Sie hätte es diese Grundsteinlegung nicht gegeben. Wir wissen das!"

Die Rettung der Seidl-Villa

 

Seidl-Villa

Besonders freue ich mich über die Rettung der zauberhaften Seidl-Villa mit umliegenden Grün- und Freiflächen. Als ich 1972 antrat, war das Gebiet zur Bebauung freigegeben. Die Seidl-Villa sollte einem fünfgeschossigen Gebäudekomplex weichen. Natürlich waren auch die Frei- und Grünflächen für die Bebauung einbezogen. Noch war ich ahnungslos, wusste damals nicht einmal, wo die Seidl-Villa stand, da meldete sich schon eine Bürgerinitiative. Sie forderte mich auf, die vorgesehene Bebauung zu stoppen und die Seidl-Villa als Denkmal der Baukunst des vergangenen Jahrhunderts zu erhalten. Das zuständige Referat riet mir, mich nicht darauf einzulassen. "Diese Leute" hätten das schon vorher versucht, die dürfen auch jetzt keinen Erfolg haben. Das sei eine Machtprobe mit dem "Neuen", ein Härtetest also für mich. Nach ausführlicher Vor-Ort-Besichtigung erfüllte mich ein großes Unbehagen. Mein Herz schlug für die Erhaltung dieses historischen Ensembles, mein Verstand hämmerte mir ein, du darfst kein Schwächling sein.

Als mich dann erste positive Berichterstattungen der Presse in meiner Selbstsicherheit stärkten, als mein "Millionending" schon in den ersten Wochen gut kommentiert wurde (ein Millionenprogramm zum Ausbau von Spielplätzen), wollte ich das tun, was ich für richtig hielt. Die Bürgerinitiative jubelte. Die SPD-Linke auch. Es gehörte Mut und Stehvermögen dazu, zum Bau eines großen Bürohauses nein zu sagen, eine schon zweimal beschlossene Bebauung zu kippen und somit die Seidl-Villa zu erhalten. Heute lebt die Seidl-Villa durch kulturelle und bürgerschaftliche Nutzung. Dieses städtische Juwel wird in Schwabing nicht einmal mehr im Shareholder-Value-Rausch der Spitzhacke zum Opfer fallen können.

 


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