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Natürlich erlebt man als Münchner Oberbürgermeister so einiges. Hier schildert Georg Kronawitter die Highlights - garantiert wahr und aus dem "richtigen Leben":

Herr X-mann bringt Dir 30.000 DM

Schorsch Fendt, damals fast 70jährig, ein ebenso alter wie treuer Sozialdemokrat, war als unendlich hilfsbereiter Stadtrat ein Original. Die Leute nannten ihn den "Bürgermeister von Freimann". "Der X-mann braucht unbedingt einen Termin bei Dir", verlangte er kurz nach meinem Amtsantritt 1972 von mir. X-mann war ein großer Bauunternehmer. "Er hat Probleme mit einem Altenheim, Du musst ihm helfen", sagte Schorsch Fendt.

Von der Größenordnung her war das ein Fall für den Oberbürgermeister. Ich war schon dabei, den Termin festzulegen, als Schorsch Fendt freudig kundtat: "Der bringt Dir auch 30.000 DM mit, in bar!" "Um Gottes Willen Schorsch", sagte ich. "Aus, Ende! X-mann kriegt bei mir keinen Termin." Schorsch Fendt stellte klar: "Die 30.000 DM sind ja gar nicht für dich persönlich, die bringt er Dir für die Partei mit. Die Linken kriegen jetzt sowieso keine Spende mehr."

Ich hatte Mühe, meinen liebenswerten Parteifreund zu überzeugen: "Das geht nicht." X-mann bekam einen Termin bei Stadtbaurat Uli Zech, der von mir vorher informiert wurde. Ich verlangte eine sachbezogene Behandlung seines Anliegens. Der Stadtbaurat sollte den "Bestechungsversuch" vergessen. Zu helfen, wenn es geht, um letztlich Hunderten von alten Menschen zu helfen, sei Pflicht der Stadt.

Ein Vierteljahr später ging X-man in Konkurs. Wir konnten nicht mehr helfen. Nur mit dieser eisernen Konsequenz in Sachen Einflussnahme durch Spenden konnte ich ein absolut freier Mann bleiben. Weder Freund noch Gegner konnten mir etwas anhaben!

Begegnungen

Begegnungen - sei es mit dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, Prinz Charles und Lady Diana oder - wohl am typischsten für Georg Kronawitter - mit Moosröschen am Marienplatz

Auf den Bildern noch schöner

Kurz vor Ende meiner ersten Amtszeit ging ich wieder einmal durch das Haupttor auf den Marienplatz. Da begegnete mir eine alte, kleine Münchnerin, sie blieb stehen, sah mich eindringlich an und fragte: "Sind Sie der Herr Oberbürgermeister?" Und ehe ich antworten konnte, sagte sie: "Ja, Sie sind es, Sie müssen es sein!" Ich antwortete: "Es sieht ganz danach aus." Dann kam sie noch näher ran und schaute von unten nach oben und meinte: "20 oder 30 Mal habe ich Sie schon in der Zeitung auf den Bildern gesehen, oder sogar noch öfter, aber noch nie bin ich Ihnen begegnet." Dann fixierte sie mich noch deutlicher, himmelte mich an und meinte ganz ehrlich: "Aber das muss ich Ihnen sagen, Herr Oberbürgermeister, auf den Bildern sind Sie noch viel schöner als in Natura!"

Bundespräsident a. D. Dr. Scheel

Bundespräsident Walter Scheel war in seiner Amtszeit oft und gerne in München. Er hat sich nach seinem Ausscheiden ja auch für München als Alterssitz entschieden. Persönlich hatte ich ein gutes Verhältnis zu diesem lebensfrohen Mann. Bei seinem Versuch, eine alte Villa in Starnberg zu erwerben, schnappte ihm ein Schirmhändler dieses Haus durch ein höheres Preisangebot weg. Erbost aber auch amüsiert erzählte er mir seine Pleite im Konkurrenzkampf vor dem Eingang der Akademie der Schönen Künste im kleinen Kreis von Gästen. "Stellen Sie sich doch vor, so demokratisch ist unsere Demokratie, dass ein einfacher Schirmhändler dem Bundespräsidenten eine alte Villa wegschnappen kann." Ich fragte ihn, ob ich ihm zum Trost ein altes bayerisches Sprichwort sagen dürfe, auch wenn es ein bisschen despektierlich klingen könnte. Er meinte – offen wie immer – "nur heraus damit". So konnte ich ihn mit dem unter Bauleuten oft geäußerten bayerischen Spruch fröhlich und heiter stimmen: "Wenn a Mensch viel Geld hat und ist dumm, kauft er a alt's Haus und baut's um."

Hilfsarbeiter oder Oberbürgermeister von München

Circa 2.400 Jungmeisterinnen und Jungmeister habe ich in der Philharmonie 1992 unter anderem wie folgt begrüßt: "Viele wissen gar nicht, dass auch ich handwerklich geschult bin. Ich habe mir im wahrsten Sinne des Wortes im Schweiße meines Angesichts mein Brot verdient, nämlich als Bäckerlehrling, gleich nach dem Krieg. Aber ich habe es nicht – wie Sie alle – zum Meister gebracht. Ja, ich habe nach einem halben Jahr bereits meine Bäckerlehre abgebrochen. Und Sie wissen ja, was man mit einer abgebrochenen Lehre noch werden kann. Hilfsarbeiter oder höchstens noch Münchner Oberbürgermeister."

Meine Cousine Maria

Eines Tages kam meine Sekretärin in mein Zimmer: "Herr Kronawitter, Ihre Cousine Maria ist da." Ich fragte zurück: "Welche Cousine Maria, wie heißt sie noch?" Die Sekretärin wusste es nicht. Sie hatte zwar gefragt, aber nur die Antwort erhalten: "Mein Cousin weiß schon Bescheid!"

Nun hatte mein Vater sieben Geschwister, meine Mutter sechs Schwestern; die gesamte Verwandtschaft war weit verzweigt und verstreut in Oberbayern. Ich traf nur selten Onkel und Tanten, und Cousinen und Cousins noch seltener. Deshalb sagte ich zu meiner Sekretärin, sie solle doch noch einmal versuchen, ob sie den Nachnamen erfahren könne, sie solle dies sehr dezent tun, ich möchte mich nicht blamieren und den Eindruck erwecken, "dass der ja nicht einmal mehr seine Verwandtschaft kennen will." Die Sekretärin kam zurück und erklärte, dass die Cousine Maria erneut gesagt hat, ihr Cousin wisse schon Bescheid! Ein zweites Mal konnte ich nun wirklich nicht mehr nachfragen lassen. Ich ergriff die Flucht nach vorne, kam mit offen Armen auf sie zu, strahlte sie an und sagte: "Grüß Dich Maria, wir haben uns aber lange nicht mehr gesehen!"

Ich war sicher, dass das stimmen musste. Sie sagte: "Grüß Dich Georg, ja, das ist wirklich wahr, wir sehen uns viel zu selten." Über meine Bitte, "komm doch herein", freute sie sich sichtlich, nahm am Besuchertisch Platz, und ich fragte sie: "Maria, wie geht's Dir denn?" Sie meinte, "ach, ganz gut, ich bin recht zufrieden und wie geht's Dir, Georg" fragte sie zurück. Ich gab ihr eine kurze Auskunft.

Dann schlug sie die Beine übereinander, der kurze Rock rutschte ziemlich weit nach oben, ich sah sie mir erst einmal richtig an, meine Cousine Maria. Sie war wirklich eine attraktive 30jährige, schick, charmant und auch noch besonders sexy. Da war ich sicher, sie muss von meiner mütterlichen Seite kommen, denn die sieben Mädchen, die meine Großeltern mütterlicherseits hatten, galten alle als Dorfschönheiten. Aber so schick und so sexy war wohl keine, wie meine Cousine Maria. "Du kommst doch von der Seite meiner Mutter", musste ich nun doch fragen. Sie gab zur Antwort: "Nein, von der mütterlichen Seite komme ich nicht." Ich war überrascht. "Ja, gibt's denn von meines Vaters Seite so schicke Frauen? Jetzt musst Du mir weiter helfen. Ich bin ganz irritiert." Sie meinte: "Von Deines Vaters Seite bin ich auch nicht" und schmunzelte. Ich war momentan verdutzt. "Eine dritte Seite kann's doch nicht geben", fiel mir ein. Sie: "Ich bin gar nicht Ihre Cousine Maria, aber ich schwärme so für Sie und wollte Sie unbedingt treffen. Sie sind mir doch bitte nicht böse", sagte sie und strahlte mich unverfroren an.

Da wusste ich dann doch Bescheid, was es bedeutete, dass sie mit über einander geschlagenen Beinen und kurzem Rock vor mir saß und die Bluse großzügig Einblick zu ihrem prallen Busen gab. "Ah, ja, so ist das also. Ganz schön raffiniert, muss ich sagen!" Und dann fuhr ich fort: "Aber liebe, verehrte 'Cousine Maria', da muss ich Sie schon bitten, wieder zu gehen und mein Zimmer zu verlassen." Ich stand auf, öffnete die Türe. Meine "Cousine Maria" folgte mir lautlos, aber lächelnd und verabschiedete sich mit: "Auf Wiedersehen Georg". Meine Chefsekretärin war überrascht, warum der Besuch der "Cousine Maria" so kurz war. Als ich sie aufklärte, meinte sie: "So ein Luder!" Und ich gab schmunzelnd zurück: "Aber verdammt schick und sexy war sie schon, meine Cousine Maria!"

 


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